Studie beweist: "Langschläfer" sind bessere Schüler

Früher Vogel fängt nicht die besten Noten. Eine neue Studie aus der Schweiz zeigt: Wenn Schülerinnen und Schüler morgens später mit dem Unterricht beginnen können, schlafen sie länger, fühlen sich gesünder – und schneiden in Leistungstests besser ab. 

Die Untersuchung begleitete ein Schulmodell an der Oberstufe in Gossau im Kanton St. Gallen, bei dem der Unterricht flexibler organisiert wurde. Statt eines festen frühen Starts konnten Jugendliche selbst entscheiden, wann sie am Morgen beginnen: entweder freiwillig bereits um 7:30 Uhr oder erst um 8:30 Uhr mit dem regulären Unterricht. 

Jugendliche nutzen die spätere Startzeit fast durchgehend

Die Auswertung zeigt, dass das Angebot von den Schülerinnen und Schülern intensiv genutzt wurde. Rund 95 Prozent der Jugendlichen entschieden sich regelmäßig für den späteren Unterrichtsbeginn. Insgesamt starteten sie im Durchschnitt etwa 38 Minuten später in den Schultag als zuvor. 

Entsprechend verschob sich auch das Aufstehen am Morgen: Die Jugendlichen standen rund 40 Minuten später auf. Da sich ihre Schlafenszeiten kaum veränderten, führte der spätere Schulbeginn zu deutlich längeren Nächten. Im Durchschnitt schliefen die Schülerinnen und Schüler 45 Minuten länger pro Schultag

Für Jugendliche ist dieser Zeitgewinn relevant. Während der Pubertät verschiebt sich der biologische Schlafrhythmus natürlicherweise nach hinten, sodass viele Jugendliche abends später einschlafen, morgens aber weiterhin früh aufstehen müssen. Das führt häufig zu einem chronischen Schlafdefizit während der Schulwoche. 

Weniger Einschlafprobleme, bessere Lebensqualität

Die zusätzlichen Schlafzeiten spiegelten sich auch im Wohlbefinden der Jugendlichen wider. In den Befragungen berichteten die Schülerinnen und Schüler seltener von Einschlafproblemen und zeigten insgesamt bessere Werte bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. 

Chronischer Schlafmangel kann nach Einschätzung der Forschenden nicht nur die Stimmung, sondern auch körperliche Entwicklung, psychische Gesundheit und Lernfähigkeit beeinträchtigen. Gerade im Jugendalter, wenn sich der biologische Rhythmus nach hinten verschiebt, fällt es vielen Jugendlichen schwer, früh einzuschlafen. Ein späterer Schulbeginn kann diese biologischen Veränderungen teilweise ausgleichen. 

Verbesserungen auch bei schulischen Leistungen

Neben den gesundheitlichen Effekten zeigte sich auch ein Zusammenhang mit schulischen Leistungen. In standardisierten, kantonal geeichten Tests schnitten die Schülerinnen und Schüler im neuen Schulmodell in Englisch und Mathematik besser ab als vor der Einführung der flexiblen Startzeiten. 

Die Studie basiert auf 754 Rückmeldungen von Jugendlichen mit einem Durchschnittsalter von etwa 14 Jahren. Das Forschungsteam verglich dabei zwei Situationen: den früheren Schulbetrieb mit Unterrichtsbeginn um 7:20 Uhr und das neue Modell mit flexiblem Start ein Jahr nach der Einführung. 

Flexible Schulzeiten als möglicher Ansatz

International wird ein späterer Schulbeginn bereits länger diskutiert. Die Schweizer Untersuchung liefert nun zusätzliche Hinweise darauf, dass flexible Modelle – bei denen Jugendliche zwischen frühem und späterem Beginn wählen können – eine praktikable Variante sein können. 

Für Schulen eröffnet das Modell eine organisatorische Möglichkeit: Der Stundenplan bleibt unverändert, gleichzeitig erhalten Schülerinnen und Schüler mehr Spielraum, ihren Schultag an ihren individuellen Rhythmus anzupassen. In Gossau wurden dazu vor dem eigentlichen Unterricht freiwillige Lernmodule angeboten, während der reguläre Unterricht später begann. 

Die gesamte Studie gibt es hier zum kostenlosen Download

red

 

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